Zum Inhalt springen

IGP im Hundesport: Fährte, Unterordnung und Schutzdienst verständlich erklärt

IGP im Hundesport: Fährte, Unterordnung und Schutzdienst verständlich erklärt

IGP ist der bekannteste Gebrauchshundesport der Welt. Er besteht aus drei Disziplinen: Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst. Gemeinsam prüfen sie, wie konzentriert, belastbar, motiviert und führig ein Hund arbeitet – und wie gut das Team aus Hund und Hundeführer zusammenarbeitet.

Viele Menschen kennen vor allem den Schutzdienst. Dabei macht er nur ein Drittel des Sports aus. In der Fährte arbeitet der Hund ruhig und selbstständig mit seiner Nase. In der Unterordnung zeigt er präzise Teamarbeit mit dem Hundeführer. Erst in der dritten Disziplin, dem Schutzdienst, arbeitet der Hund unter hoher Motivation und gleichzeitig maximaler Kontrolle.

Wichtig zu verstehen: Im Sportschutzdienst ist nie der Mensch das Ziel. Der Hund arbeitet auf klar definierte Signale und richtet seine Motivation auf den Hetzarm des Helfers. Geprüft werden vor allem Gehorsam, Impulskontrolle, Nervenstärke und die Fähigkeit, auch unter hoher Erregung jederzeit ansprechbar zu bleiben.

Genau deshalb beginnt der Weg in den IGP-Sport nicht mit dem Schutzdienst, sondern mit der Begleithundeprüfung (BH/VT). Bereits dort muss der Hund zeigen, dass er sich sicher im Alltag bewegt, keine Aggression gegenüber Menschen oder anderen Hunden zeigt und zuverlässig mit seinem Hundeführer zusammenarbeitet.

Dieser Ratgeber erklärt die drei Disziplinen des IGP-Sports, die Prüfungsstufen IGP 1 bis IGP 3, typische Missverständnisse rund um den Schutzdienst und den Einstieg in den modernen Gebrauchshundesport.

Fachlich begleitet von Dr. Florian Knabl, mehrfacher IGP-Weltmeister, und Patricia Knabl, Juristin und aktive Hundesportlerin. Die Inhalte basieren auf jahrzehntelanger Praxis im internationalen Hundesport, in der Ausbildung von Gebrauchshunden und der Arbeit von K9andSports.

Was bedeutet IGP im Hundesport?

IGP steht für Internationale Gebrauchshundeprüfung. Bewertet wird nach der Prüfungsordnung der FCI, in Deutschland organisiert über den VDH und seine Mitgliedsvereine.

Ziel des Sports ist die Vielseitigkeit: ein gesunder, belastbarer Hund, der eng mit seinem Menschen zusammenarbeitet. Deshalb beginnt jede sportliche Laufbahn zunächst mit der Begleithundeprüfung (BH/VT). Im Verkehrsteil muss der Hund zeigen, dass er sich sicher im Alltag bewegt, sozialverträglich ist und auch in ungewohnten Situationen kontrollierbar bleibt.

IPO, VPG, Schutzhund oder IGP – was ist der Unterschied?

Im Kern handelt es sich um denselben Sport. Früher war die Bezeichnung Schutzhund verbreitet, später VPG und anschließend IPO. Seit 2019 lautet die offizielle internationale Bezeichnung IGP. Wer heute auf Begriffe wie „IPO-Hundesport“ oder „Schutzhundsport“ stößt, meint in der Regel den heutigen IGP-Sport.

Die drei Disziplinen der IGP

Eine IGP-Prüfung besteht aus drei Abteilungen, die am selben Tag absolviert werden. Jede wird mit maximal 100 Punkten bewertet. Insgesamt sind 300 Punkte möglich, wobei jede einzelne Abteilung mit mindestens 70 Punkten bestanden werden muss.

Abteilung A – Fährtenarbeit

Der Hund folgt mit tiefer Nase einer zuvor gelegten Spur über unterschiedliches Gelände und zeigt ausgelegte Gegenstände präzise an. Gefordert sind Konzentration, Ausdauer und selbstständiges Arbeiten.

Die Fährte ist die ruhigste, aber technisch oft unterschätzte Disziplin. Besonders das Verweisen von Gegenständen und ein sauberer Fährtenansatz entscheiden über die Qualität der Arbeit. Für den separaten, wiederholbaren Aufbau des Anzeigeverhaltens eignet sich der IQ Gegenstandstrainer 2.0.

→ Mehr dazu im Ratgeber: IGP Fährte aufbauen: Ruhe, Verweisen und klare Abläufe

Abteilung B – Unterordnung

In der Unterordnung zeigt das Team Präzision, Motivation und Zusammenarbeit auf höchstem Niveau. Geprüft werden unter anderem Freifolge, Sitz, Platz und Steh aus der Bewegung, Apportieren über Hürde und Schrägwand sowie die Ablage unter Ablenkung.

Der Hund soll aufmerksam, motiviert und technisch sauber arbeiten. Bewertet werden nicht nur Genauigkeit und Ausführung, sondern auch Ausstrahlung, Harmonie und die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Hund und Hundeführer.

→ Mehr dazu im Ratgeber: IGP Unterordnung aufbauen: Warum Präzision später Zeit spart · Buch Unterordnung im IGP – Gemeinsam erfolgreich

Abteilung C – Schutzdienst

Der Schutzdienst prüft Gehorsam, Nervenstärke und Kontrolle unter hoher Motivation. Der Hund sucht den Helfer in den Verstecken, stellt und verbellt ihn, verhindert Fluchtversuche, arbeitet kontrolliert am Hetzarm und lässt auf Kommando sofort wieder aus.

Im Mittelpunkt stehen nicht Aggression oder Schärfe, sondern Motivation, Gehorsam, Belastbarkeit und Impulskontrolle.

→ Mehr dazu im Ratgeber: Schutzdienst im IGP: Warum guter Schutzdienst nicht beim Anbiss beginnt · Buch Schutzdienst im IGP – Gemeinsam erfolgreich

Die Prüfungsstufen IGP 1, IGP 2 und IGP 3

  • IGP 1 bildet den Einstieg nach bestandener Begleithundeprüfung.
  • IGP 2 erhöht die Anforderungen in Distanz, Dauer und Komplexität.
  • IGP 3 ist die höchste Prüfungsstufe und Grundlage für regionale, nationale und internationale Meisterschaften.

Erst die Kombination aus Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst ergibt das Bild eines vielseitig ausgebildeten Gebrauchshundes.

Was auf Meisterschaften wirklich bewertet wird

Auf Landesmeisterschaften, nationalen Meisterschaften oder Weltmeisterschaften reicht es längst nicht mehr aus, dass ein Hund die Übungen der Prüfungsordnung einfach ausführt.

Gefragt sind Hunde, die mit Selbstvertrauen, Konzentration und Ausstrahlung arbeiten. Sie sollen motiviert, fokussiert und belastbar sein, ohne nervös oder hektisch zu wirken. Besonders hoch bewertet werden Teams, bei denen sichtbar wird, dass Hund und Hundeführer ein eingespieltes Team sind.

Solche Leistungen entstehen nicht durch Druck oder kurzfristiges Training. Sie sind das Ergebnis eines systematischen Aufbaus, klarer Kommunikation und einer Ausbildung, die dem Hund Sicherheit und Selbstvertrauen vermittelt.

Die besten IGP-Hunde der Welt arbeiten nicht nur präzise. Sie arbeiten mit Überzeugung.

Macht IGP Hunde aggressiv? Steigt das Risiko von Beißvorfällen?

Das ist die häufigste Sorge rund um den Sport – und sie beruht meist auf einem Missverständnis, das schon damit beginnt, dass IGP mit „Beißen“ gleichgesetzt wird. Tatsächlich besteht IGP aus drei gleichwertigen Disziplinen, und in zwei davon kommt überhaupt kein Helfer vor:

  • In der Fährte arbeitet der Hund ruhig, konzentriert und allein an der Spur.
  • In der Unterordnung geht es um Präzision, Kooperation und Freude an der Zusammenarbeit mit dem Hundeführer.

Beide verlangen genau das Gegenteil von Aggression: Selbstbeherrschung, Konzentration und Teamarbeit.

Was im Schutzdienst (Teil C) wirklich passiert

Von außen sieht man Tempo, Bellen, Helfer und Anbiss – genau deshalb wird der Schutzdienst oft falsch verstanden. Guter Schutzdienst beginnt aber nicht beim Anbiss, sondern bei Struktur, Kontrolle und sauberem Training. Der Hund arbeitet durchgehend auf Kommando und im Team mit seinem Hundeführer, und seine Erregung ist klar auf ein einziges Objekt gerichtet: den Hetzarm. Das Beißen ist dabei nur ein Baustein von vielen:

  • Revierarbeit – aktives Absuchen der Verstecke, der Hund löst sich vom Hundeführer,
  • Stellen und Verbellen – den Helfer durch Bellen klar anzeigen, ohne ihn zu berühren,
  • Fluchtverhinderung und Abwehr – kontrolliert auf Kommando,
  • Ablassen – das sofortige Loslassen auf Befehl,
  • Bewachen und Führigkeit – ruhig bleiben und zwischen den Übungsteilen führbar sein.

Das Anspruchsvolle ist das Umschalten zwischen diesen Phasen: Der Hund soll intensiv und kraftvoll arbeiten und trotzdem jederzeit ansprechbar bleiben. Kontrolle und Energie sind dabei kein Gegensatz – ein guter Schutzdiensthund zeigt beides. Geprüft wird damit vor allem Impulskontrolle und Gehorsam unter hoher Erregung – das Gegenteil von unkontrollierter Aggression.

→ Vertiefung in unserem Blog: Schutzdienst im IGP: Warum guter Schutzdienst nicht beim Anbiss beginnt

Aggressivität ist nicht Aggression

Ein zentrales Missverständnis liegt schon in den Begriffen. Aggressivität ist die in jedem Tier angelegte Bereitschaft – sie äußert sich meist als Kommunikation: Knurren, Nase rümpfen, ein Abbruchsignal („bis hierher und nicht weiter“). Aggression ist erst die Eskalation, wenn diese Signale überlesen oder ignoriert werden – dann passiert der Beißunfall. Genau hier liegt die Ursache fast aller Beißvorfälle: in missverstandenen Signalen und Fehlern in Erziehung und Führung, nicht im Sport.

Und die Beißvorfälle? Die Faktenlage

1. Beutemotivation ist keine Aggression. Verhaltensbiologisch entspricht die Arbeit am Hetzarm dem natürlichen Beute- und Spielverhalten (Erregung, gerichtet auf ein Objekt) – nicht der Sozialaggression (Drohen, Beschädigen gegen Lebewesen). Die Fachtierärztin für Tierverhalten Dr. Esther Schalke bringt es auf den Punkt: Der Hetzarm ist für den Hund nichts anderes als eine Beutebelohnung – wie ein Ball, nur höherwertig.

„Wer geht schon mit einem Hetzarm über die Straße?“ — Dr. Esther Schalke

2. Warum es nicht auf den Alltag übergreift (Signalkontrolle). Sauber ausgebildet ist die Schutzarbeit an klare Schlüsselreize gebunden: Helfer mit Ärmel im Versteck = Signal fürs Verbellen; Person ohne Ärmel = gar kein Signal. Ein so trainierter Hund überträgt sein Verhalten deshalb nicht auf Menschen im Alltag. Hunde lernen stark orts- und situationsbezogen – der Sport bleibt auf dem Hundeplatz, mit Schutzanzug, Ritualen und Kommandos.

3. Sporthunde tauchen in Beißstatistiken praktisch nicht auf. Die Auswertung von Sachverständigengutachten zu Beißvorfällen in Bayern (Dissertation Mikus, 2006) zeigt: 87,6 % der auffällig gewordenen Hunde waren Familienhunde, während als Schutzhunde ausgebildete Hunde nur 2,2 % (Rüden) bzw. 0 % (Hündinnen) ausmachten – Fazit der Arbeit: „gut ausgebildete Sport- und Schutzhunde [stellen] kein Gefahrenpotential dar“. Auch eine Schweizer Jahresstatistik (Meldepflicht) enthielt unter rund 270 Beißvorfällen nur einen einzigen Sporthund – und der kam nicht aus dem Schutzsport.

4. Das Training entscheidet, nicht der Sport. Gefährlich wird es nur, wenn ein Hund über Druck in die Defensivaggression getrieben wird und lernt, dass Aggression gegen Menschen „funktioniert“ – das ist im Sport ein No-Go. Über Beutemotivation aufgebaut, entsteht dieser Konflikt gar nicht. Wichtig zu wissen: Die Ausbildung eines einsatzbereiten Diensthundes ist eine grundlegend andere als im Sport – sie lässt sich nicht gleichsetzen. Auch Studien bestätigen: Stress und Problemverhalten kommen von aversivem Training, nicht von der Disziplin (Vieira de Castro et al., 2020). Stachelhalsbänder und Elektroreizgeräte sind in Deutschland seit 2022 verboten (§ 2 Abs. 5 TierSchHuV).

5. Aggression wird im Sport bestraft, nicht belohnt. Zeigt ein Hund in einer Prüfung unkontrollierte Aggression, wird er disqualifiziert und muss die Begleithundeprüfung samt Verkehrsteil wiederholen. Der Sport selektiert also aktiv gegen unsicheres, aggressives Verhalten.

6. Stress ist nicht gleich Leid. Die positive Anspannung im Sport (Eustress) ist von schädlichem Dauerstress (Distress) zu unterscheiden und für Lernprozesse essenziell. Gut konditionierte Hunde kehren nach der Arbeit schnell zur Ruhe zurück (Accorsi et al., 2018; Cocco et al., 2025).

Starke Hunde beißen nicht

Paradox, aber wahr: Der Schutzdienst macht Hunde nicht gefährlicher, sondern gelassener. Der Sport gibt dem Hund ein Ventil, seine Energie geregelt zu kanalisieren – ein selbstsicherer, ausgelasteter Hund muss seine Stärke nicht im Alltag beweisen. Über die ständigen Wechsel zwischen hoher Erregung und absoluter Kontrolle (vergleichbar mit einem Biathleten, der nach dem Sprint sofort ruhig schießen muss) lernt der Hund, in jeder Erregungslage auf Kommandos zu hören – und ist dadurch im Ernstfall besser kontrollierbar, nicht schlechter.

Aus der Praxis – Team Heuwinkl: Seit über 35 Jahren bilden wir Schutzhunde auf international höchstem Niveau aus – und noch nie ist ein Hund aus unserem Umfeld durch einen Beißvorfall aufgefallen. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis sauberer Ausbildung in Motivation und Kontrolle. Die ganze Trainingslogik dahinter beschreibt das Buch Schutzdienst im IGP – Gemeinsam erfolgreich.

Mehr noch: Schutzdienst ist ein Dienst an der Gesellschaft

Woher beziehen Polizei, Zoll und Grenzschutz ihre Hunde? Aus Gebrauchshundezuchten, deren Hunde im Schutzdienst geführt werden. Dienst und Sport greifen auf dieselbe Ressource zu – und der Großteil der Hunde geht an Privatpersonen in den Sport. Genau dieser Sport selektiert die Eigenschaften, die Diensthunde brauchen: Arbeitsfreude, Führigkeit, Belastbarkeit, Stressresistenz und Geräuschunempfindlichkeit/Schussgleichgültigkeit. Während die Geräuschempfindlichkeit bei reinen Familienhunden zunimmt (und oft medikamentös behandelt wird), bleibt sie bei Gebrauchshunden niedrig – weil gezielt darauf selektiert wird.

Aus der Praxis – Dr. Florian Knabl (IQ-Dogsport-Gründer, mehrfacher IGP-Weltmeister, Mitgründer K9andSports): „Würden Privatleute ihre Gebrauchshunde nicht mehr im Sport führen, entfiele die für den Dienst relevante Selektion – und sehr bald gäbe es nicht mehr genug einsetzbare Diensthunde.“

Ohne den organisierten Sport bräche diese Basis für die innere Sicherheit also weg.

Ist IGP gesund für den Hund? Was die Forschung zeigt

Fachgerecht und belohnungsbasiert durchgeführt, hat Hundesport nachweislich positive Effekte – für den Hund und für das Team:

  • Stärkere Bindung: Gemeinsame Arbeit an anspruchsvollen Aufgaben vertieft die Beziehung. Hund und Halter synchronisieren sich bei sportlich aktiven Teams hormonell deutlich stärker als bei reinen Familienhunden (Sundman et al., 2019).
  • Artgerechte Auslastung: Der Hund setzt seine natürlichen Fähigkeiten ein – Nase, Bewegung, Kopfarbeit. Das beugt Unterforderung und daraus entstehendem Problemverhalten vor.
  • Erfüllung und Selbstvertrauen: Das Bewältigen von Aufgaben macht Hunde zufriedener und resilienter; in kognitiven Tests zeigen positiv trainierte Hunde einen „optimistischen Bias“ – einen Kernindikator für hohe Lebensqualität.
  • Verantwortung und Struktur: Der Sport fördert einen bewussten, verantwortungsvollen Umgang mit dem Tier – feste Routinen, klare Kommunikation und Aufmerksamkeit für seine Bedürfnisse.
  • Körperlicher Ausgleich: Training wirkt als Ventil für Anspannung; der Cortisolspiegel sinkt häufig unmittelbar nach der Einheit.
  • Gelassenheit im Alltag: Eine Erhebung von Tierarzt Dr. Simon Bach deutet darauf hin, dass sich IGP-ausgebildete Hunde sogar beim Tierarztbesuch ruhiger verhalten – ein Hinweis auf gute Sozialisierung und Steuerbarkeit.

Gesundheit zuerst: moderner Sport heißt mehr als die drei Disziplinen

Verantwortungsvoller Hundesport stellt die Gesundheit des Hundes an erste Stelle. Dazu gehört heute selbstverständlich Ausgleichssport: gezieltes Kraft- und Mobilitätstraining, das Muskulatur und Gelenke auf die Belastung vorbereitet, sowie Aufwärmen vor und Cool-down nach jeder Einheit. So bleibt der Hund langfristig fit und beweglich – wie bei jedem menschlichen Leistungssportler auch.

Entscheidend sind zudem belohnungsbasiertes Training und ausreichende Erholung. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) empfiehlt klare Belastungsgrenzen und betont, dass moderne Ausbildung ohne Schmerzen und Leiden auskommt – und so sogar effektiver ist.

Interessant: Die spezifische Disziplin – Fährte, Unterordnung oder Schutzdienst – hatte in der Forschung keinen unterschiedlichen Einfluss auf die Stresshormone. Entscheidend ist nicht was, sondern wie trainiert wird.

Ist IGP in Deutschland erlaubt und anerkannt?

Ja. Der IGP-Sport ist in Deutschland tierschutzkonform geregelt und über den VDH organisiert – aus juristischer Sicht gibt es keinen Grund für ein Verbot. Einzelne Verfehlungen, wie es sie in jedem Sport gibt, lassen sich mit den bestehenden gesetzlichen Mitteln ahnden; ein pauschales Verbot wäre unnötig und unverhältnismäßig. (Wie unsere Mitgründerin und Juristin Patricia Knabl es vergleicht: Auch im Boxen ist es nicht erlaubt, jemandem absichtlich die Nase zu brechen – und trotzdem wird der Sport als solcher nicht infrage gestellt.)

Im März 2025 hat die Deutsche UNESCO-Kommission das Gebrauchshundewesen als immaterielles Kulturerbe anerkannt – als kulturelle Praxis der gezielten Ausbildung von Hunden zur Unterstützung des Menschen. Das unterstreicht den gesellschaftlichen Stellenwert des Sports.

Wie steige ich in den IGP-Hundesport ein?

  1. Verein in der Nähe finden. IGP wird über VDH-Mitgliedsvereine organisiert. Anlaufstellen sind vor allem die Rassezuchtvereine – etwa der SV (Deutscher Schäferhund), der DMC (Belgische Schäferhunde/Malinois), der Boxer-Club e.V. oder der ADRK (Rottweiler). Ein guter Verein mit erfahrenen Ausbildern ist der wichtigste erste Schritt.
  2. Begleithundeprüfung (BH/VT) ablegen. Sie ist die Eintrittskarte für alle weiteren Prüfungen.
  3. Disziplinen kennenlernen. Viele beginnen mit Fährte und Unterordnung, bevor der Schutzdienst dazukommt. Gerade bei Fährte und Unterordnung lässt sich vieles auch außerhalb des Vereins erarbeiten.
  4. Richtig ausstatten. Vom Apportierholz über den Multifunktionsgürtel bis zum passenden Geschirr – das richtige Equipment macht den Trainingsaufbau sauberer.

→ Equipment für den IGP-Einstieg: Trainingszubehör entdecken

Anlaufstelle: K9andSports e.V.

Eine gute Anlaufstelle ist der gemeinnützige Verein K9andSports e.V., den IQ-Dogsport-Gründer Dr. Florian Knabl mit Patricia Knabl, Connie und Peter Scherk mitgegründet hat. Dort sind zahlreiche Botschafter gelistet – erfahrene Hundesportler, Ausbilder, Diensthundeführer und Wissenschaftler aus vielen Ländern, die Interessierten gern mit Rat und Tat zur Seite stehen. K9andSports setzt sich für den Erhalt gesunder, leistungsfähiger Gebrauchshunde ein und bietet u. a.:

  • Hilfe und Vernetzung: ein internationales Botschafter-Netzwerk als Ansprechpartner rund um Sport, Ausbildung und Zucht,
  • Nachwuchsförderung: kostenfreie Trainings- und Helfer-Camps sowie Seminarplätze für unter 25-Jährige (über 600 Plätze vergeben) plus ein bundesweites Mentoren-Netzwerk,
  • Brücke zwischen Sport und Dienst: Austausch zwischen Hundesportlern, Diensthundeführern, Züchtern und Rassezuchtvereinen,
  • Tierschutz & Wissenschaft sowie Öffentlichkeits- und Verbandsarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.

Vertiefen: unsere IGP-Ratgeber, Equipment und Bücher

Unsere Disziplin-Ratgeber (Blog):

Fachbücher von Dr. Florian Knabl und Peter Scherk (beide mehrfache IGP-Weltmeister) aus der Reihe „Gemeinsam erfolgreich“: Unterordnung im IGP, Schutzdienst im IGP und Begleithundprüfung (BH)zu den Büchern (Wissen und Ausbildung)


Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet IGP im Hundesport?

IGP steht für Internationale Gebrauchshundeprüfung – einen Hundesport aus drei Disziplinen: Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst. Bewertet wird nach FCI-Prüfungsordnung, organisiert über den VDH.

Was ist der Unterschied zwischen IPO und IGP?

Es ist derselbe Sport. Er hieß früher Schutzhund bzw. VPG, dann IPO; seit 2019 lautet die offizielle Bezeichnung IGP.

Was bedeuten IGP 1, 2 und 3?

Drei aufeinander aufbauende Prüfungsstufen. IGP 1 ist der Einstieg (nach bestandener Begleithundeprüfung), IGP 3 die höchste Stufe und Basis für Meisterschaften.

Macht IGP Hunde aggressiv oder erhöht es das Risiko von Beißvorfällen?

Nein. IGP besteht aus drei Disziplinen – Fährte und Unterordnung verlangen Konzentration und Kooperation, ganz ohne Helfer. Im Schutzdienst arbeitet der Hund auf Kommando im Team mit seinem Hundeführer; seine Erregung ist kontextgebunden auf den Hetzarm gerichtet, und das Beißen ist nur ein Teil – Revieren, Stellen und Verbellen ohne Berühren sowie das sofortige Ablassen prüfen vor allem Impulskontrolle. Beißstatistiken führen Vorfälle auf Erziehungs- und Führungsfehler zurück und nennen keine im Schutzdienst geführten Hunde. Der Sport macht Hunde eher gelassener: Er lehrt, in jeder Erregungslage auf Kommandos zu hören.

Sind im Schutzdienst ausgebildete Hunde im Alltag gefährlich?

Nein. Hunde lernen stark orts- und situationsbezogen. Der Schutzdienst ist an den Hundeplatz, feste Rituale und Kommandos gebunden; ein Sporthund überträgt das nicht auf Alltagssituationen. Im Gegenteil – durch die trainierte Kontrolle ist ein gut geführter Schutzhund im Ernstfall besser steuerbar.

Ist IGP in Deutschland verboten oder erlaubt?

IGP ist in Deutschland erlaubt und tierschutzkonform geregelt; es gibt keine rechtliche Grundlage für ein Verbot. Im März 2025 wurde das Gebrauchshundewesen sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Ist Hundesport wie IGP gesund für den Hund?

Fachgerecht und mit positiver Bestärkung trainiert, ja. Die Forschung zeigt positive Effekte auf die Mensch-Hund-Bindung, das Selbstvertrauen und die psychische Gesundheit. Voraussetzung sind belohnungsbasiertes Training, ausreichende Erholung und Ausgleichssport (Kraft- und Mobilitätstraining, Aufwärmen und Cool-down).

Welche Vorteile hat IGP-Hundesport?

IGP fördert die Bindung zwischen Hund und Halter, lastet den Hund artgerecht aus (Nase, Bewegung, Kopfarbeit), gibt ihm Erfüllung und Selbstvertrauen und beugt Unterforderung vor. Für den Halter bedeutet er einen bewussten, verantwortungsvollen Umgang mit dem Tier und ein gemeinsames Ziel.

Wie fange ich mit IGP an?

Über einen VDH-Mitgliedsverein bzw. Rassezuchtverein (z. B. SV, DMC, Boxer-Club, ADRK) in Ihrer Nähe. Zuerst wird die Begleithundeprüfung (BH/VT) abgelegt, danach ist der Einstieg in IGP 1 möglich. Unterstützung für Einsteiger bietet auch der Verein K9andSports e.V.

Welche Ausrüstung brauche ich für den IGP-Hundesport?

Je nach Disziplin u. a. Apportierhölzer, Fährtenzubehör, ein Multifunktionsgürtel und ein gut sitzendes Geschirr. Equipment-Empfehlungen finden Sie in unserem Trainingszubehör.